Freitag 18. Juni 2010
Die Aufregung um die "neue" Übersetzungsnorm hat sich gelegt. Viele Übersetzungsdienstleister haben inzwischen ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt, sind jedoch noch nicht zertifiziert. Erste Erfahrungen zeigen, dass auch Einzelunternehmer von einer Zertifizierung profitieren können und diese auch für sie erschwinglich ist.
Die Themen Qualitätssicherung und Zertifizierung können nicht länger ignoriert werden, weil zum einen die EN 15038 in allen Bereichen der Branche einen Wirbel entfacht hat, und weil zum anderen die Kosten in der Produktion von Übersetzungen für Unternehmen explodiert sind und die Weiterentwicklung der Übersetzungswerkzeuge neue Möglichkeiten eröffnet. Ferner sind heutige Übersetzungsprozesse aufgrund der Vielzahl der beteiligten Akteure, der zu verarbeitenden Formate und der nahezu nicht mehr überschaubaren Zahl
an Werkzeugen ungeheuer komplex. Die Gewinnmargen sind deutlich enger geworden und das Internet und die damit einhergehende Ortsunabhängigkeit des Übersetzers haben eine massive Umstrukturierung der Branche bewirkt. Übersetzer waren plötzlich weltweit und für nahezu alle Sprachen verfügbar, und viele Agenturen „nur noch“ in der Auftragsvermittlung und (viel wichtiger) im technischen Support aktiv.
Endkunden haben ihre Übersetzungsabteilungen auf- und wieder abgebaut, zwischen In-House und Outsourcing abgewogen und eigenes Know-how gesammelt. Einige Unternehmen treten mithilfe von Onlineportalen direkt an den Einzelübersetzer heran. Übersetzungswerkzeuge der neuen Generation ermöglichen eine teilweise automatisierte, in jedem Fall aber massiv unterstützende Qualitätskontrolle, was bisher eine typische Aufgabe gewerblicher Übersetzungsagenturen war. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen und die Branche darf sich auf weitere Änderungen einstellen.
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